24
Aug

Geocacher = Umweltzerstörer? .. oder ist noch Sommerloch?

Durch einen Tweet von Outdoorspirit wurde ich zunächst auf den online gestellten BILD-Artikel aufmerksam….. kurz darauf fand ich auch einen längeren, aber offensichtlich aus gleicher Quelle stammenden Artikel bei N-TV.

Der Text im Bild-Telegramm titelt “Geocacher ärgern Umweltschützer und Höhlenretter” … entsprechend negativ ist der Tenor des kurzen Artikels gegenüber Geocachern. Leider kein gutes Beispiel für ausgewogene Recherche B) In Kurzform sind Geocacher die, die immer die Natur zertrampeln und Höhlen verschmutzen.

Der N-TV-Artikel greift diese These auf und wird ausführlicher. Hier wird auf die - zumindest in MG und Umgebung zutreffende Problematik mit immer schwierigeren und gefährlicheren T5-Caches kurz eingegangen. Tatsächlich gab es hier in der Mönchengladbacher Geocacher-Gemeinde den Trend zu immer mehr Klettercaches. Da mit den Caches wohl auch die Ausrüstung wuchs, ist wohl bislang nie ernsthaft was passiert - nur was ist mit dem Geocaching-Nachwuchs? In diesem Bereich muss IMHO sehr wohl auch selbstkritisch nachgedacht werden. Allerdings hat das zumindest hierzulande nichts mit Höhlenrettung zu tun, bestenfalls mit Höhenrettung…

Der Artikel geht ferner auf die Problematik mit den Höhlencaches ein. Hm, mal überlegen - Höhlen und Geocaching? GPS unter der Erde? Wohl eher nicht. Sicher mag es da Ausnahmen geben, aber in der Praxis dürfte der Anteil von Höhlencaches im Promillebereich liegen. Selbst wenn ich Abfluß-/Kanalrohre und Bunker mitrechne, wird es nicht viel besser.

Immerhin hat der N-TV Artikel das Stichwort “Cito” bemerkt. Leider wird es so dargestellt, als wäre das erst jetzt so langsam Trend. Auch hier hätte eine kurze Recherche wohl schnell ergeben, das Cito (Cache in, trash out) nichts neues ist und praktisch in jeder größeren Cachegemeinde sogar regelmäßig CITO-Events abgehalten werden. Cito als Event ist sicherlich etwas selten, aber Cito an sich ist doch eine Grundregel für alle Geocacher - ich kenne einige, die immer einen Müllbeutel dabei haben - für den eigenen Müll und mindestens die übelsten Hinterlassenschaften anderer “Naturnutzer".

Bemerkenswert ist der letzte Absatz, in dem erwähnt wird, das die Deutsche Wanderjugend Geocaching positiv nutzt.

Es ist sehr schade, das gerade N-TV hier relativ einseitig berichtet bzw. einen DPA-Artikel nutzt ohne weitere Recherchen anzustellen. Man zitiert Andreas Kramer zwar, aber anscheinend hat es keine klärenden Gespräche mit Insidern gegeben.

Geocaching sollte immer mit respektvollem Umgang mit der Natur einhergehen. Ebenso kann man davon ausgehen, das es keine Geocaches in Naturschutzgebieten gibt bzw. dort besondere Regeln, die an die Auflagen des betreffenden Schutzgebietes angepasst sind, gelten. Unser Cache im Naturschutzgebiet Viehstraße beispielsweise nutzt ausschließlich die offiziell vorgeschriebenen Wege und die dort ebenfalls offiziell aufgestellten Infotafeln. Das das Gebiet durch geocacher belastet wird, ist also ausgeschlossen, denn Wanderer bzw. Spaziergänger sind ausdrücklich erwünscht. Im Gegenteil, analog zur Ansicht der Wanderjugend führt Geocaching vielmehr die Menschen an das Gebiet heran und bringt sie dazu, sich damit zu beschäftigen. Erst das Verständnis von Schutzzielen und dazu nötigen Maßnahmen schafft Akzeptanz - und nur Akzeptanz wird langfristig den Schutz gewährleisten können.

Auch ist sehr schade, das der DPA-Artikel mittlerweile um sich greift. Es ist wohl “Sommerloch"…

Der Artikel ist auch hier zu finden:

Noch erstaunlicher finde ich, das selbst das Greenpeace Magazin ungefiltert auf diesen Zug aufgesprungen ist:

http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=59539&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=a3c11deee6

Das ausgerechnet dort so unkritisch Mainstream-Nachrichten weiterverbreitet werden, kann ich nicht verstehen.

Zum Glück gibt es aber auch schon weitere Blog-Reaktionen aus der Geocaching Gemeinde:

free b2evolution skin

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4 Kommentare, 4 Trackbacks

Kommentar von: Umweltschutz kontra Abenteuerlust [Besucher]
"Höhlencaches im Promillebereich" => nur, dass es bei einer Höhle Jahrtausende dauern kann, bis ein abgebrochener Tropfstein wieder nachgewachsen ist, Jahre braucht, bis vergrämte Fledermäuse ein zu stark frequentiertes Winterquartier wieder annehmen etc. (Nur um zwei von vielen Beispielen zu nennen) Höhlen sind ein extrem sensibler Naturraum der m.M. nach nicht für den schnell Abenteuerkick mißbraucht werden sollte. Nicht die Anzahl, sondern die Schützenswürdigkeit sollte hier im Vordergrund stehen! Tausende Cacher weiterstgehend auf sich alleingestellt in diesen Naturraum zu schicken kann aus Unwissenheit heraus nur zu Schäden für die Natur führen...
24.08.09 @ 17:44
Kommentar von: Peter Dreuw [Mitglied] E-Mail
Hallo, unbekannter Kommentierer,

das ist doch genau der Punkt. Es gibt keine "tausende Cacher" in Höhlencaches. Natürlich gibt es tausende Cacher und hunderttausende Caches. Nur die allerwenigsten sind in Höhlen, eben weil GPS und Höhle nicht übereinkommen. Mit einem GPS-Gerät kann man sich in Gebäuden schon nur extrem schlecht orientieren, in massiven Höhlen noch viel weniger. Alleine daher passt das schon nicht zusammen.

Es gibt tatsächlich Ausnahmen, keine Frage. Diese muss man auch kritisch beleuchten. Was mich nur stört, ist das diese Ausnahmen genutzt werden Geocaching zu beschreiben. Selbst der DPA-Artikel spricht von 100.000 Caches und 60 davon in Höhlen (angegebene Dunkelziffer Faktor vier, also vielleicht 240 von 100.000 - was ich für zu hoch angesetzt halte).

Hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Umweltschutz ist einer der Grundsätze bei geocaching.com - das übersieht der Artikel völlig.

LG
Peter vom Team Archandha
24.08.09 @ 17:52
Trackback von: winluxboard [Besucher]
Geocaching ärgert Tier- und Umweltschützer
Ich finde es sehr schade, das dieser DPA Artikel wirklich fast ...
25.08.09 @ 11:27
Kommentar von: Annett [Besucher] · https://twitter.com/alligateuse
Das Thema kann man zur Zeit in allen möglichen Blogs, Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen Organen finden. So scharf die Medien sonst sind über unser aufregendes Hobby zu berichten, genauso massiv werden jetzt die bösen GeocacherInnen aufs Korn genommen. Ich nehme das schon lange nicht mehr ernst, obwohl es mich auch ärgert, dass dadurch ein schlechtes Licht auf viele geworfen wird, obwohl sich nur sehr wenige vielleicht als Umweltschweine benehmen. Hier wird stellvertretend für ein paar wenige Ignoranten die Sau durchs Dorf getrieben, um anschließend geschlachtet zu werden.

Das Phänomen, dass Umwelt, sprich Wald, Feld und Flur, und wie angesprochen auch sensible Höhlen oder ähnliches durch Geocacher zerstört oder zumindest beeinträchtigt werden, kann ich mir gut vorstellen. Waren es vor gut 6 Jahren, zu meiner Anfangszeit, höchstens ein paar, die im Wald nach Dosen suchten, sind es doch jetzt teilweise echt Massen, immer verglichen mit dem Anfang von Geocaching. Da hat man nach wenigen Tagen bereits eine Cacher-Autobahn par excellence, ist alles rund um die Dose niedergetrampelt, ist das Erdreich an einem Hang fast abgetragen. Das GPS kann man dann getrost stecken lassen, geht ja auch ohne.

Zum Thema Höhlen möchte ich sagen, dass ich glaube, dass nur sehr wenige Geocacher hier tatsächlich einen Cache suchen. Das ist doch sehr speziell, und ich habe es bisher nur in der Sächsischen Schweiz gemacht, dabei aber auf Höhlen verzichtet, in denen man eine Kletterausrüstung oder ein Seil benötigt. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass es besser wäre, in einigen Höhlen auf einen Cache zu verzichten. Da sollte sich ein Owner VORHER informieren, was es mit der Höhle auf sich hat, ob dort möglicherweise Fledermäuse leben oder die Höhle anderweitig besonders schutzwürdig ist.

Das leitet gleich über zu meiner Forderung, dass man sich als Verstecker viel mehr Gedanken machen muss über die Art und Lage des Verstecks, als früher. Die Natur konnte sich damals schnell von den paar Dosensuchern erholen, die übers Jahr diese eine Dose suchten. Heutzutage kommen bei einigen Dosen oder Serien an einem Tag mitunter mehr als woanders im ganzen Jahr. Hier ist es nicht verwunderlich, wenn die Verstecke dann total plattgetreten sind und dort nichts mehr wächst.
25.08.09 @ 13:08
Kommentar von: schnitzel... [Besucher] · http://www.feuchtimschritt.de
ein kleines statement...
http://www.feuchtimschritt.de/wp/?p=1088
27.08.09 @ 01:10
Trackback von: Der Flieger [Besucher]
Das negative Image der Geocacher
Es ist sicherlich vielen aufgefallen, dass in den letzen Tagen vermehrt schlechte Presse über Geocacher gemacht wurde. Das ist nicht nur schade und ärgerlich für die Beteiligten, sondern schlicht und einfach im Kern völlig falsch. Es werden hier zw...
27.08.09 @ 17:21
Stellungnahme zum dpa Artikel der Höhlenrettung
In Schnitzels Blog gibt es einen Artikel (bewusst nicht direkt verlinkt auf Wunsch des Authors) mit einer Stellungnahme zum dpa Artikel, der die Hintergründe erklärt.

Bemerkenswert ist neben dieser Aufklärung auch die Bestätigung durch den ebenfal...
27.08.09 @ 19:41
Geocaching Franken: No Press


In jüngster Zeit wurde (im Sommerloch?) die Tupperdosenlegende Geocaching-Sau durchs Pressedorf getrieben. Gleichzeitig stiegen wohl auch die Anfragen der Presse nach Interviewpartnern deutlich an. (Ein Schelm, wer böses dabei denkt...)

Auf Geo...
31.08.09 @ 15:07

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